Liebe Mitglieder des Kunstgeschichtlichen Instituts,
wir freuen uns sehr, Ihnen mitteilen zu können, dass die neue Ausgabe von GA2 – Kunstgeschichtliches Journal für studentische Forschung und Kritik des Kunstgeschichtlichen Instituts erschienen ist:
Bd. 11 Nr. 01 (2026): Mut zur Lücke. Lücken in der Wahrnehmung, in Institutionen und in der Geschichtsschreibung begegnen | GA 2. Kunstgeschichtliches Journal für studentische Forschung und Kritik
In der euro-amerikanischen Kunstgeschichte fanden viele künstlerische Positionen lange Zeit keine Beachtung, da strukturelle gesellschaftliche Ausschlussmechanismen entlang von Kategorien wie Geschlecht, Klasse, Ethnie oder Religion im kunsthistorischen Arbeiten – vom Wahrnehmen über das Sammeln, Archivieren und Ausstellen bis hin zur Kunstgeschichtsschreibung – perpetuiert wurden. Das so geschaffene Wissen über Kunst und die Erzählungen über Kunstwerke und Künstler*innen, die – teilweise – bis heute hartnäckig in unseren Köpfen vorherrschen, reproduzieren diese Ausschlüsse. So entstanden und entstehen ‚Lücken‘ in Archiven und Sammlungen, in der Wahrnehmung und in der Geschichtsschreibung, die das Fachwissen und damit auch die kunsthistorische Lehre nach wie vor prägen.
In dem diesem Heft zugrunde liegenden Seminar Mut zur Lücke (WS 2025/26) identifizierten, untersuchten und reflektierten wir solche ‚Lücken‘ und die Möglichkeiten eines produktiven Umgangs mit ebendiesen. Ziel des Seminars war es, diese Leerstellen bewusst und sichtbar zu machen sowie Ansätze zu ermitteln, ihnen durch die Dekonstruktion der Bedingung ihrer Entstehung zu begegnen; daran geknüpft war zugleich die Frage, wie sich diese Dekonstruktion mit neuen, inklusiveren Narrativen verbinden lässt. Konkret haben wir reflektiert, wie Sehen, Wissen, Erfahrung und Situiertheit einander bedingen und nach Möglichkeiten des Fragens, Sprechens, und Schreibens über unsere eigene Wahrnehmung gesucht, die die Grenzen des jeweils individuell Sichtbaren erweitern. Durch die Analyse von Leerstellen in Archiven, Narrativen sowie der Wahrnehmung schließt das Heft unmittelbar an den aktuellen Forschungs- und Fakultätsschwerpunkt DOING MEMORY der Geschichtswissenschaftlichen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum an. Wie in vielen verschiedenen Projekten, die sich unter diesem Arbeitsschwerpunkt versammeln, geht es auch in diesem Heft darum, an Fallbeispielen und damit qua Tiefenbohrung zu untersuchen, wie Machtverhältnisse Erinnerungskultur prägen und welche Verantwortung wir als historisch arbeitende Geisteswissenschaftler*innen mit Blick auf das Herstellen von Erinnerungen und / oder Vergessen haben. Die Fallbeispielen dieses Heftes machen die konstruktive Macht unserer Disziplin bewusst und versuchen durch andere Sicht- und Erzählweisen eine Vergangenheit inklusive derjenigen vor Augen zu führen, die bislang in den aus hegemonialen Blickwinkeln verfassten Erzählungen und Rekonstruktionen gar nicht oder lediglich im Sinne von Objekten, über die gesprochen wurde, vorgekommen sind.
Mit herzlichen Grüßen im Namen der GA2-Redaktionsgruppe:
Miriam Maja Brost, Stephanie Marchal und Jo Ziebritzki.
Die Ausgabe ist auf der Homepage des GA2-Journals unter folgendem Link einsehbar und herunterladbar: https://ojs.ub.rub.de/index.php/GA2/issue/view/406
