Das kgi beteiligt sich an der bundesweiten Aktionswoche „Wissenschaft gegen Faschismus“, die auf Initiative der „Studis gegen rechts“ stattfindet und von zahlreichen Dozierenden, Forschenden und Professor:innen unterstützt wird. Angesichts gegenwärtiger gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen erscheint es dringlicher denn je, sich an Hochschulen, in Lehre, Studium und Forschung mit autoritären Prozessen und ihrer begrifflichen Einordnung, ihren Entwicklungslinien, Ursachen, Erscheinungsformen sowie mit möglichen Gegenstrategien auseinanderzusetzen. Unter dem Motto „Verantwortung in Zeiten faschistischer Gefahr“ wird deshalb im Rahmen der Aktionswoche der Stand der Forschung zu Faschisierungsprozessen und ihren Auswirkungen auf Wissen, Wissenschaften und Universitäten diskutiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Das kgi beteiligt sich an der Aktionswoche mit drei Sonderveranstaltungen in den Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum. Außerdem greifen eine Reihe von Seminaren das Thema auf und öffnen Raum für Diskussionen.
Dienstag, 2. Juni 2026
12 Uhr (c.t.)
GA 06/62
Metamorphosen, das Prinzip der Verwandlung und die Kunst des Antiautoritarismus [geöffnete Lehrveranstaltung]
Prof. Dr. Carolin Behrmann, kgi, RUB
Die Metamorphosen des Ovid sind als eine grundlegende Kritik am autoritären Führungsstil des sogenannten „Goldenen Zeitalters“ unter Kaiser Augustus interpretiert worden, der den gefeierten Dichter aufgrund seiner Schriften in das Exil verbannt hatte. Im italienischen Faschismus benutzte Benito Mussolini die Referenz auf die antike Mythologie als Stärkung der autoritären Ideologie. Die Sitzung wird in einem einführenden Beitrag diesen den Metamorphosen zugrundeliegenden Zusammenhang von Autorität und Entzug, Widerstand und Kritik erörtern, Die Sitzung widmet sich dem Thema „Bestrafungen: Verbotene Blicke, Hybris und techné“ (Actaeon und Arachne).
Mittwoch, 3. Juni 2026
10 Uhr (c.t.)
HGA 30
Kunstbildung für das Volk, völkische Kunstbildung – populäre Kunstgeschichte zwischen NS, DDR und BRD [geöffnete Lehrveranstaltung]
Prof. Dr. Sebastian Fitzner, kgi, RUB
Bildung für das Volk war eine zentrale Errungenschaft der Weimarer Republik, die die NS-Diktatur – mit oder ohne Zustimmung der Autor*innen – für sich vereinnahmte. Doch wie kommt es, dass solche Ideologien noch lange in die Nachkriegszeit hinein überlebten? Und wie ging man in DDR und BRD mit solchen Büchern um? Wir nehmen in der Vorlesung ausgewählte Klassiker der populären Kunstgeschichte, vermeintlich unpolitische Publikationen, in den Blick und befragen Sie nach deren Inhalten und Standpunkten.
14 Uhr (s.t.)
Kunstsammlungen, Forumsplatz
Wie sieht Faschismus aus? Versuch einer Ikonographie [Sonderveranstaltung]
Prof. Dr. Karen van den Berg, kgi, RUB
Faschisten treten in sehr unterschiedlichem Gewand auf, nutzen ganz unterschiedliche Bildsprachen, Ikonographien und Codes, die teilweise nur für Eingeweihte als faschistisch gelesen werden. Der Kurzvortrag stellt einige dieser Codes und Ikonographien vor.
15 Uhr (s.t.)
Kunstsammlungen, Forumsplatz
Das Erbe der Täter. Baudenkmäler der NS-Zeit [Sonderveranstaltung]
Hans H. Hanke, Architekturhistoriker, Denkmalpfleger und Lehrbeauftragter am Kunstgeschichtliches Institut, RUB
Die NS-Zeit hat zahlreiche politisch kontaminierte Bauwerke in Westfalen hinterlassen – die Wewelsburg als Mittelpunkt des SS-Imperiums, Propagandabauten in den ehemaligen Gauhauptstädten Münster und Bochum, Schulungsstätten, Bunker und Zwangsarbeiterlager. Viele dieser Orte stehen heute unter Denkmalschutz, um das Wirken der Täter anhand der Wirkung der Gebäude nachvollziehbar zu machen.
16 Uhr (s.t.)
Kunstsammlungen, Forumsplatz
Kunsthistorisches Schreiben gegen Rechts – Dr. Fiona McGovern im Gespräch mit leftarthistories.org [Sonderveranstaltung]
Dr. Fiona McGovern (Ulmer Verein AG Kunstgeschichte mit links) im Gespräch mit Clara Heggemann, Jelka Schäfer und Wim Zimmermann (leftarthistories.org) über den Themenkomplex Kunst und (Neue) Rechte und Fragen der Verantwortung und Handlungsspielräume der Kunstgeschichte.

