Hidden Cities: Artistic Methodologies and Practices – A UNIC Blended Intensive Programme

20. Oktober – 6. Dezember 2025 (20. Okt. – 28. Nov. online; 1.-5. Dez. in Präsenz in Cork)

Beim Erasmus Blended Intensive Program in Cork (IR) „Hidden Cities“ lernten Master-Studierende und Promovierende aller zehn UNIC-Partneruniversitäten künstlerische Methoden als Forschungswerkzeuge kennen sowie als Mittel, um zur Transformation postindustrieller Städte beizutragen. Eine Reihe von Online-Vorträgen im Oktober und November 2025 bereitete die Studierenden auf die Workshop-Woche vom 1. bis 5. Dezember in Cork vor, bei der sie sich persönlich kennenlernten, an verschiedenen Kursen teilnahmen und gemeinsame Projekte umsetzten. Dozierende aus ganz Europa aus den Bereichen Theater, Musik, kreatives Schreiben, bildende Kunst und Design stellten Methoden der künstlerischen Forschung und des Design Thinking in Vorträgen und Workshops vor. Die Studierenden waren dazu angehalten, diese experimentellen Methoden praktisch anzuwenden, um ein Konzept für eine künstlerische Intervention in den Stadtraum zu entwickeln. Ziel der Intervention sollte es sein, Stadtgeschichte und städtische Perspektiven an ein Publikum zu vermitteln, das mit diesen Orten und Geschichten noch nicht vertraut ist.

Zur Umsetzung des Abschlussprojekts arbeiteten die Teilnehmenden in international und interdisziplinär zusammengesetzten Teams, mit Beteiligten u.a. aus der Bildenden Kunst, Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft, Geografie, Stadtplanung und Designstudiengängen. Über künstlerische Forschungsansätze sollten komplexe Reflexionsprozesse angestoßen werden, die neben klassischen wissenschaftlichen Daten auch emotional-affektive Ebenen berücksichtigen wie Empathie, Fürsorge und Achtsamkeit als Grundlagen des Miteinanders in superdiversen Städten. Hierfür wurden die Teilnehmer:innen dazu angeregt, sensorische, affektive und kinaesthetische Daten zu sammeln und spekulatives Denken sowie Imagination einzusetzen, um innovative Lösungsansätze zur Herstellung von Begegnungsmomenten im Stadtraum zu entwickeln.

Durch die zahlreichen Workshops, Stadtrundgänge und die Projektarbeit in Gruppen wurden die Studierenden mit künstlerischen Forschungsmethoden vertraut gemacht und dazu ermutigt, Impulse in ihre eigene disziplinäre Forschung und Lehre aufzunehmen. Zugleich gewannen sie besondere Einblicke in die Stadt Cork, ihre Geschichte und das Leben der Einwohner:innen. Dem Prinzip der „hidden city“ folgend, stellten die Teilnehmer:innen zum Schluss Konzepte für künstlerische Interventionen, Performances oder Installationen vor, die Aspekte der Stadtgeschichte im Stadtraum interaktiv vermitteln.

Das BIP „Hidden Cities“ wurde von Prof. Yvon Bonenfant and Dr. Brice Catherin (Theatre Studies) am University College Cork konzipiert und koordiniert. Es baut auf dem an der Bauhaus-Universität Weimar entwickelten Modell der „Public Arts Garage“ auf.

Eine Gruppe von 10 Studierenden der RUB hat an dem BIP in Cork teilgenommen, aus den Fächern Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft und Geografie. Begleitet wurden die Studierenden durch die Dozierenden des Kunstgeschichtlichen Instituts Prof. Carolin Behrmann und Dr. Lee Chichester.

Impressionen der teilnehmenden Studierenden aus Bochum:

Beim BIP-Programm Hidden Cities in Cork habe ich erlebt, wie ein interdisziplinärer Austausch die gemeinsame Kreativität und die Umsetzungsmöglichkeiten fördert. Prägend waren die Stadtrundgänge, die gezeigt haben, wie subjektive Perspektiven das kollektive Bild einer Stadt erweitern können und wie unterschiedlich Stadtanschauungen sind. Die Herausforderung bestand darin, komplexe städtebauliche Zusammenhänge in einem kurzen gemeinsamen Projekt zu erarbeiten und zu präsentieren. Doch die direkte Anwendung der in den Workshops erlernten Konzepte und Umsetzungsmöglichkeiten hat neue Ideen und Handlungsmöglichkeiten für zukünftige Projekte eröffnet.

Leonie Reiber (Kunstgeschichte und Geografie)

Besonders prägend waren für mich die ersten Inputs von Professor Yvon Bonenfant beim Einstieg. Noch vor dem eigentlichen Beginn wurden der Raum selbst sowie die darin wirkenden Machtverhältnisse und dessen Diversität thematisiert, und zwar in einer sehr respektvollen und bewussten Weise. Dazu gehörten unter anderem die Präsentation einer Pronoun Policy, die zugleich die Problematiken von Mehrsprachigkeit sowie unterschiedliche Wissensstände und Kapazitäten sensibel berücksichtigte, ebenso wie Richtlinien zu kommunikativen Machtverhältnissen in mehrsprachigen, interdisziplinären und multiperspektivischen akademischen Räumen. Dazu zählten beispielsweise kontextsensible Formen des Feedbackgebens sowie die Förderung von Awareness der eigenen Perspektive, was insbesondere in Bezug auf Kapazitismus und Klassismus von großer Bedeutung ist. Darüber hinaus wurde eine Touch Policy vorgestellt, die für die Aktivitäten mit physischem Kontakt von zentraler Relevanz war. Außerdem wurden wir auf lokale Ressourcen in Cork zur sexuellen Gesundheit aufmerksam gemacht, mit einem besonderen Fokus auf die Bedürfnisse sexueller Dissidenzen. Eine solche Haltung der Fürsorge und Offenheit würde man sich an jeder Universität wünschen!

Paulina Abufhele Meza (Szenische Forschung)

Vor meiner Teilnahme hatte ich weder vom Erasmus+ Blended Intensive Programme noch von der Public Arts Garage gehört. Mein Interesse war jedoch sofort geweckt, da mich die Verbindung künstlerischer Ansätze mit urbanen Transformationsprozessen seit mehreren Jahren intensiv beschäftigt. Das BIP hat eindrücklich gezeigt, welches Potenzial in kurzzeitigen, thematisch fokussierten Formaten des intraeuropäischen Austauschs liegt: Perspektiven, Kompetenzen und Denkweisen künstlerisch arbeitender Wissenschaftler:innen und Studierender unterschiedlicher Generationen, Disziplinen und nationaler Kontexte wurden hier produktiv gebündelt.

Für mich bedeutete die Teilnahme eine deutliche Erweiterung meiner fachlichen wie persönlichen Netzwerke sowie eine Schärfung meiner Perspektive auf transdisziplinäre und künstlerisch informierte Forschung. Die projektbasierte Zusammenarbeit mit Studierenden aus zehn europäischen Universitäten war besonders prägend und hat meine Motivation gestärkt, künftig stärker international zu arbeiten. Mit Blick auf meine geplante Postdoc-Phase im Ausland stellen die geknüpften Kontakte und gewonnenen Erfahrungen einen wichtigen Mehrwert dar.

Besonders prägend war für mich die Erfahrung, dass selbst sehr experimentelle, künstlerische und performative Workshop-Formate substanzielle Impulse für die eigene wissenschaftliche Arbeit liefern können. Auch scheinbar spielerische oder ungewohnte Praktiken (etwa das Senden und Empfangen vokalisierter, gesummter „Haarstrukturen“) eröffneten überraschend klare Reflexionsräume zu epistemologischen Fragen, hermeneutischen Zugängen und zur eigenen wissenschaftlichen Positionalität. Gerade diese Irritation etablierter Forschungsroutinen erwies sich als außerordentlich produktiv.

Als herausfordernd erwies sich vor allem das Auskommen mit dem Stipendienbudget, da sich Irland als sehr kostenintensives Reiseland gezeigt hat.

Markus Gornik (Geografie)