Im Fokus des aktuellen Forschungsschwerpunkts des Kunstgeschichtlichen Instituts stehen die Wechselverhältnisse von künstlerischer Produktion und außerkünstlerischer Arbeit. Obwohl Arbeiten in der Tradition der modernen westlichen Gesellschaften als Inbegriff menschlicher Tätigkeit verstanden wird, ist dieser grundlegende Zusammenhang in der Kunstwissenschaft bisher wenig untersucht und Arbeit in erster Linie als Frage der Repräsentation, Motivgeschichte oder Ikonographie aufgefasst, oftmals gekoppelt mit einem dem 19. Jahrhundert entlehnten Arbeitsbegriff. Obwohl im aktuellen öffentlichen Diskurs vielfach Bezug auf die künstlerische Arbeit genommen wird, wenn von einer neuartigen Gestaltung der Arbeit gesprochen wird, gibt es hierzu kaum substantielle Forschung. Ausgehend von den gegenwärtigen Herausforderungen der Zukunft der Arbeit durch Globalisierung, Digitalisierung sowie Künstliche Intelligenz und angesichts der auf das Vorbild der sogenannten freien künstlerischen Arbeit zurückgeführten Flexibilisierung und Entgrenzung der Erwerbsarbeit sollen folgende Problemfelder geklärt werden:

Wie wurde und wird Arbeit in der Kunst aufgegriffen und thematisiert? In welchem Verhältnis stehen historische und aktuelle Konzepte künstlerischen Produzierens zu außerkünstlerischen Produktionspraktiken? Wie wird und wurde dieses Verhältnis in der Praxis und Theorie der bildenden Künste ausgehandelt? Die Universität Bochum, gegründet mit dem reformerischen Ziel, den Strukturwandel im größten industriellen Ballungsgebiet Europas durch einen engen interdisziplinären Kontakt zu befördern, ist ein idealer Standort, um die Relationen von künstlerischer und außerkünstlerischer Arbeit kritisch zu befragen und in historischer sowie systematischer Hinsicht für die heutigen Probleme zu erschließen.