Museale Architekturdörfer in den Jahrzehnten um 1900 waren monumentale Komplexe, welche die bisher unterrepräsentierte bauliche Kultur eines Landes oder einer Region ‚lebensecht‘ darstellen sollten. Derartige, insbesondere die Peripherie repräsentierenden Architekturmuseen wurden im Zusammenhang mit Landesausstellungen und der Gründung von Nationalmuseen dauerhaft in verschiedenen europäischen Ländern realisiert. Im Unterschied zur bisherigen Forschung fokussiert das Projekt die Doppelperspektive solcher Ensembles: Sie fungierten sowohl als kulturelle Selbstbestätigung nach innen wie auch als Adressierung des Eigenen nach außen. Untersucht werden vier, heute noch bestehende Ensembles: Turin (1884), Budapest (1896), Helsinki (1909), Barcelona (1929). Die populären, gleichwohl mit wissenschaftlicher Ambition und in Vernetzung in die entstehenden modernen Kulturdisziplinen hinein errichteten synthetischen Gebilde repräsentierten Bauten, die von der Modernisierung bedroht waren und / oder als kanonfähig verstanden wurden. Im Rahmen der dynamischen Ausstellungen bildeten sie Heterotope, die nicht im Widerspruch zur Moderne standen, sondern sich komplementär dazu verhielten: Durch die Konkurrenz, in der die Ausstellungen dieser Zeit zueinander standen, wurden die Peripherien der verschiedenen Länder gleichermaßen zu Verhandlungsräumen. Das Projekt untersucht erstmals die Eigenart dieser musealen Architekturensembles in Form einer transnationalen und transdisziplinären Verflechtungsgeschichte.

Projektleitung: Prof. Dr. Cornelia Jöchner; in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) in Leipzig