Dauer: Sommersemester 2018 – Wintersemester 2018/19

Jun.-Prof. Dr. Stephanie Marchal
Dr. Kathrin Rottmann

Die Arbeiten Günter Fruhtrunks, der 1968 an der documenta IV und der Biennale von Venedig teilnahm, architekturgebundene Arbeiten – darunter das Farbleitsystem der Ruhr-Universität – (mit)entwickelte, den Entwurf der Aldi-Tüte lieferte und im Auftrag der Bundesregierung den Quiet Room im UNO-Hauptquartier gestaltete, scheinen fester Bestandteil der Kunstwelt der BRD der 1960er und 70er Jahre gewesen zu sein. In der Nachkriegszeit versprachen sie aufgrund ihrer Ungegenständlichkeit und den in der Kunstgeschichte und Kunstkritik anhand der Ästhetik der Arbeiten geführten Debatten über die Bedingungen des Sehens die Überwindung der nationalsozialistischen Vergangenheit. Die Bilder forderten die Betrachter physisch heraus, indem sie mit charakteristischen Streifen in schwarz und grellen Farben das Sehen strapazierten. Seit den 1980er Jahren jedoch, als die „Neuen Wilden“ mit „heftiger Malerei“ gegen die geometrische Abstraktion, Konzeptkunst und Minimal Art anmalten, scheinen die strengen Kompositionen, die jeglichen malerischen Gestus vermeiden, an Interesse verloren zu haben und wurden erst in jüngster Zeit wieder ausgestellt und mit Werkverzeichnissen erschlossen. Im Rahmen des Seminars entwickeln die Studierenden ein Ausstellungskonzept, um Fruhtrunks in den Kunstsammlungen der RUB vorhandene Arbeiten (kunst)historisch, politisch und wirtschaftlich zu kontextualisieren. Dabei soll auch reflektiert werden, wie Wissensproduktion im Museum gestaltet und Forschung in der Ausstellung, die im Januar 2019 im Kubus der Situation Kunst eröffnet werden soll, visualisiert werden kann.